Mitarbeitende in der Wertschöpfungskette
Übersicht
Die Bedeutung des Themas entlang der Wertschöpfungskette
Trainings
Auswirkungen, Risiken und Chancen
Das Risikoprofil der Wertschöpfungskette hinsichtlich Sozialrisiken ist verhältnismässig gering. Diese Einordnung resultiert aus kurzen Lieferketten, hoher Fertigungstiefe, einem sehr hohen Anteil westeuropäischer Lieferanten sowie überwiegend europäischer Kundschaft.
Im Rahmen der doppelten Wesentlichkeitsanalyse wurden denn auch keine wesentlichen menschenrechtsbezogenen Risiken – insbesondere in Bezug auf Kinderarbeit oder Zwangsarbeit – identifiziert. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Menschenrechtsthematik erfolgt im Kapitel Unternehmenskultur und Kartellrecht.
Identifiziert und als wesentlich eingestuft wurden hingegen drei positive Auswirkungen, die im Themenbereich «Training und Weiterbildung für Mitarbeitende in der Wertschöpfungskette» liegen. Diese Einschätzung wurde auch von internen und externen Stakeholdern bestätigt.
Nachfolgend sind die identifizierten wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen aufgeführt:
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Zeithorizont |
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Wertschöpfungskette |
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Beschreibung der IRO |
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Art |
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kurz |
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mittel |
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lang |
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vorge-lagert |
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eigener Bereich |
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nachge-lagert |
Mitarbeitende werden befähigt, bestehende und neue Aufgaben zu bewältigen; Trainingsmassnahmen führen zum Qualifikationsgewinn. |
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Positive Auswirkung, tatsächlich |
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Die Position der Mitarbeitenden im Arbeitsmarkt kann gestärkt werden. |
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Positive Auswirkung, tatsächlich |
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Weiterentwicklung und Fortbildung stärken die Erfahrung von Wertschätzung und tragen zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz bei. |
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Positive Auswirkung, tatsächlich |
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Managementsystem
Die strategische Verantwortung für die Sorgfaltspflichten in der Lieferkette sowie für das Thema «Mitarbeitende in der Wertschöpfungskette» liegt beim Verwaltungsrat. Er verabschiedet die relevanten Richtlinien und überprüft deren Umsetzung mindestens jährlich. Die operative Verantwortung liegt bei der Konzernleitung, die von spezialisierten Fachbereichen unterstützt wird.
Folgende Themenfelder stehen im Verantwortungsbereich der jeweiligen Abteilungen:
Corporate Purchasing: Lieferkettengesetze, Umsetzung der Sorgfaltspflichten sowie fundamentale Menschen- und Arbeitnehmendenrechte
Corporate Training & Education: Kundenschulungen
Die Einhaltung der vereinbarten Standards, Normen und Gesetze sichert ein ganzheitliches, dezentrales Compliance-System, siehe Unternehmenskultur und Kartellrecht.
Strategien und Richtlinien
Für Geberit ist ethische Geschäftsführung ein zentrales Fundament für nachhaltige Wertschöpfung. Genauso wie von den eigenen Mitarbeitenden wird auch von den Partnern entlang der Wertschöpfungskette eine in jeder Hinsicht korrekte Geschäftstätigkeit erwartet. Ein effektives Management der Umwelt- und Sozialkriterien bei Lieferanten und Geschäftspartnern unterstützt die Einhaltung von Gesetzen sowie von ethischen, sozial- und umweltrechtlichen Standards.
Das Unternehmen unterscheidet die Geschäftspartner nach ihrer Rolle in der Wertschöpfungskette und adressiert diese durch entsprechende Richtlinien:
Vorgelagerte Wertschöpfungskette: Lieferanten und Transportunternehmen
Die Einhaltung ethischer und sozialer Standards wird durch verbindliche Grundlagen sichergestellt. Dazu zählen der Verhaltenskodex für Lieferanten und Geschäftspartner sowie die Erklärung zu den Menschenrechten gemäss den Anforderungen des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG).
Der Verhaltenskodex wurde im Berichtsjahr umfassend überarbeitet. Dabei flossen Perspektiven wesentlicher Stakeholder ein – darunter Erkenntnisse aus Lieferantenaudits sowie Rückmeldungen aus den internen Abteilungen Einkauf und Nachhaltigkeit. Der Kodex adressiert insbesondere Risiken in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen, Kinder- und Zwangsarbeit, Bestechung und Korruption sowie potenzielle Verstösse gegen umwelt- und arbeitsrechtliche Standards, wie im Kapitel Unternehmenskultur und Kartellrecht ausführlich erläutert wird.
Der Verhaltenskodex für Lieferanten und Geschäftspartner ist für alle direkten Lieferanten verbindlich. Neue Lieferanten müssen ihn im Rahmen des Onboardings unterzeichnen. Sie verpflichten sich damit, ihre Mitarbeitenden regelmässig und angemessen über ESG-relevante Themen – insbesondere Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Menschenrechte, ethisches Geschäftsverhalten und Umweltschutz – zu informieren und sie zu diesen Themen zu schulen. Zudem verlangt Geberit ausdrücklich, dass der Kodex an Unterauftragnehmer weitergegeben und von diesen ebenfalls umgesetzt wird.
Nachgelagerte Wertschöpfungskette: Kundinnen und Kunden
Ein zentrales Element der Geberit Unternehmensstrategie ist das Vertriebsmodell, das auf einer engen Zusammenarbeit mit der Kundschaft aufbaut. Ein wesentlicher Bestandteil des Vertriebsmodells sind Schulungen und Trainings für Installations- und Planungsfachleute sowie für Architektinnen und Architekten. Sie dienen sowohl dem Aufbau von Fachwissen und der Qualitätssicherung in der Praxis als auch der Prävention von potenziellen Risiken, etwa im Zusammenhang mit Installationsfehlern oder Arbeitsunfällen.
Damit adressiert und verstärkt das Vertriebsmodell die identifizierten positiven Auswirkungen entlang der nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Prozesse, Massnahmen und Kontrollen
Vorgelagerte Wertschöpfungskette: Lieferanten und Transportunternehmen
In der vorgelagerten Wertschöpfungskette setzt Geberit auf klare Standards, systematische Risikoüberwachung und gezielte Schulungen, um menschenrechtliche, ökologische und arbeitsbezogene Risiken frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.
Schulungen für Corporate Purchasing
Alle Mitarbeitenden der Geberit Einkaufsorganisation absolvieren webbasierte Trainings zum deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sowie zu geltenden menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten. Diese Schulungen stärken das erforderliche Fachwissen, um Risiken in der Lieferkette systematisch zu identifizieren, angemessen darauf zu reagieren und die entsprechenden Anforderungen gegenüber Lieferanten klar und konsequent zu kommunizieren. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur wirksamen Umsetzung des Geberit Verhaltenskodex für Lieferanten und Geschäftspartner.
IntegrityNext Software
Zur Überwachung und Steuerung von ESG-Risiken bei Lieferanten nutzt Corporate Purchasing die Software «IntegrityNext». Sie ermöglicht eine strukturierte, kontinuierliche Bewertung von Lieferanten, unterstützt die frühzeitige Erkennung potenzieller Risiken oder negativer Vorfälle und stellt relevante Informationen zu regulatorischen Anforderungen bereit. Die Verknüpfung datenbasierter Analysen mit fachlicher Expertise stärkt die Qualität und Effizienz der Risikoidentifikation.
EHS-Audits und Interviews
Bei Lieferanten der höchsten Risikokategorie führen Corporate Purchasing und Corporate Sustainability regelmässig «Environment, Health and Safety»-Audits (EHS-Audits) durch. Die Auswahl der zu prüfenden Lieferanten erfolgt anhand einer Risikomatrix. Die Audits prüfen die Einhaltung des Verhaltenskodex für Lieferanten und Geschäftspartner sowie der lokalen gesetzlichen Anforderungen zu Umwelt, Arbeitssicherheit und Menschenrechten.
Vor Ort werden zudem Interviews mit Mitarbeitenden der Lieferanten durchgeführt, um die tatsächlichen Arbeitsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette zu erfassen. Die Audits werden von einem unabhängigen Dienstleister durchgeführt; bei festgestellten Abweichungen werden gezielte Korrekturmassnahmen eingeleitet und deren Umsetzung verfolgt.
Integrity Line für Lieferanten
Seit 2017 steht den Lieferanten eine Integrity Line für Lieferanten zur Verfügung, über die Unregelmässigkeiten im Einkaufsprozess oder Verstösse gegen den Verhaltenskodex anonym gemeldet werden können. Sie wird von einem unabhängigen Dienstleistungsunternehmen betrieben. Hinweise und Ergebnisse aus Untersuchungen fliessen in die jährliche Lieferantenbewertung ein und können Sanktionen bis zur Vertragsauflösung auslösen.
Nachgelagerte Wertschöpfungskette: Kundinnen und Kunden
Schulungen, Trainings und Informationsformate leisten einen wesentlichen Beitrag zur Qualifikation der Mitarbeitenden von Kundenunternehmen und damit zur nachhaltigen Wertschöpfung. Sie stärken die Partnerschaft zu Grosshandel, Handwerk und Planung und stellen zugleich sicher, dass Geberit Produkte fachgerecht installiert werden. Dadurch werden Risiken sowohl auf Seiten der Verarbeitenden als auch der Nutzerinnen und Nutzer reduziert, und die qualitativ hochwertige Arbeit wird unterstützt.
Schulungen für Installateure, Planerinnen und Planer
In den 30 firmeneigenen Geberit Informationszentren (GIZ) in Europa und Übersee werden Installations- und Planungsfachleute praxisnah an Produkten, Werkzeugen, Softwaretools und Installationskompetenzen geschult. Ergänzend stehen E-Learnings und Installationsvideos zur Verfügung. Zusätzlich unterstützt der kostenlose Kundendienst Installations- und Planungsfachleute bei technischen Fragestellungen und praktischen Herausforderungen. Diese Angebote befähigen die Mitarbeitenden in der Wertschöpfungskette, neue und bestehende Aufgaben sicher zu bewältigen, erhöhen ihre berufliche Qualifikation und stärken ihre Position im Arbeitsmarkt.
Informationsmassnahmen, Veranstaltungen, Messen
In zahlreichen Märkten werden – oftmals gemeinsam mit dem Grosshandel – Thementage sowie lokale und digitale Events veranstaltet. Diese Formate vermitteln Wissen zu neuen Technologien und unterstützen die Branchenentwicklung. Die umfangreiche technische Dokumentation ergänzt das Schulungsangebot, indem sie alle notwendigen Informationen zur sicheren und sachgerechten Installation und Wartung der Produkte bereitstellt.
Integrity Line für Lieferanten
Neben dem Kundendienst als Beschwerdestelle steht die Integrity Line für Lieferanten über die Unternehmenswebsite auch allen Kundinnen und Kunden zur Verfügung und ermöglicht die vertrauliche Meldung von Vorfällen oder Bedenken.
Über die Ergebnisse aus den Audits, Schulungsquoten, Hinweise auf Verstösse und etwaige Sanktionen wird die Konzernleitung mittels Quartalsberichten informiert. Relevante Kennzahlen werden im jährlichen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.
Massnahmen und Kennzahlen im Berichtsjahr
Mitarbeitende von Lieferanten
Geberit beschaffte im Jahr 2025 Rohmaterialien, Halbfabrikate und Fertigprodukte mit einem Einkaufswert von CHF 852 Mio. (Vorjahr CHF 850 Mio.) von weltweit 1 404 direkten Lieferanten (Vorjahr 1 481).
Seit Mitte 2025 wird die Software «IntegrityNext» zum Management der Lieferantenbeziehungen schrittweise implementiert. Sie ermöglicht es, ESG-Compliance und Risikomanagement entlang der gesamten Lieferkette systematisch zu steuern und zu dokumentieren. Im ersten Schritt wurden die 200 wichtigsten direkten Lieferanten eingebunden. Sie decken über 85% des direkten Einkaufsvolumens ab. Ergänzend wurden Lieferanten aus der bisherigen Risikomatrix mit einem jährlichem Einkaufsvolumen über CHF 50 000 integriert.
Neue Lieferanten werden im Rahmen des Onboardings systematisch anhand definierter Umwelt- und Sozialkriterien bewertet. Die Bewertung umfasst u. a. Umweltmanagement, Klimarelevanz, Arbeits- und Menschenrechtsstandards sowie Compliance-Aspekte. So wird sichergestellt, dass potenzielle Auswirkungen, Chancen und Risiken frühzeitig erfasst und gesteuert werden können. Im Berichtsjahr wurden alle neu eingebundenen Lieferanten, die unter den Anwendungsbereich der Software fielen, einer entsprechenden Umwelt- und Sozialbewertung unterzogen.
Bis Ende 2026 soll die bisherige Risikomatrix durch die neue Software ersetzt werden.
Mitarbeitende von Kundenunternehmen
Im Geschäftsjahr 2025 intensivierte Geberit den Austausch mit den Mitarbeitenden von Marktpartnern deutlich. Dies zeigt sich insbesondere in den markant gestiegenen Besucherzahlen bei Kundenevents sowie in höheren Teilnahmezahlen an physischen Trainings in den Informationszentren, womit Geberit die fachliche Befähigung und den persönlichen Dialog gezielt stärkte.
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2025 |
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2024 |
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Anzahl Informationszentren in Europa und Übersee |
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30 |
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30 |
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Anzahl erreichter Kunden durch Trainings in Informationszentren (physisch) |
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87 850 |
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70 000 |
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Anzahl erreichter Kunden durch digitale Trainings |
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20 170 |
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23 000 |
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Anzahl erreichter Kunden durch physische und digitale Kundenevents (Informationsveranstaltungen) |
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101 900 |
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69 000 |
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Definitionen und Berechnungsgrundlagen
Direkte Lieferanten sind Lieferanten, die Rohstoffe oder Komponenten bereitstellen, die unmittelbar in das Endprodukt einfliessen.
Trainings sind Massnahmen, um Kunden mit dem Einsatz der Produkte und Lösungen von Geberit vertraut zu machen. Der Fokus liegt auf Produktschulungen, die u. a. auch Produktsicherheit und Produktnachhaltigkeit thematisieren. Sie finden in einem Geberit Informationszentrum (GIZ), bei Kunden vor Ort, an ausgewählten Events oder digital – etwa über Webinare und E-Learnings – statt.
Geberit stützt sich auf Primärdaten aus den konzerninternen Datenerfassungssystemen.