Geschäftsbericht 2025

Geschäftsbericht 2025

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Eigene Mitarbeitende: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Übersicht

Motivierte und qualifizierte Mitarbeitende sind die Grundlage für den langfristigen Unternehmenserfolg. Sie sind nicht nur erfahrene Wissensträger, sondern auch die wichtigsten Botschafter des Unternehmens.

Geberit ist an den Produktions- und Vertriebsstandorten eine wichtige Arbeitgeberin, mit einer offenen Unternehmenskultur, und bietet internationale Entwicklungsmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen Handwerk, Engineering und Vertrieb. Das Unternehmen ist zudem ein bedeutender Ausbildungsbetrieb für Lernende.

Mitarbeitende
Patrick Grünbeck ist Kunststofftechniker im Produktionswerk in Pottenbrunn, Österreich. (Foto)

Vom Lehrling zum Experten

Patrick Grünbeck treibt im Werk Pottenbrunn (AT) Recycling­projekte und Produktions­technologien voran.

zum Highlight

Die Bedeutung des Themas «Eigene Mitarbeitende» in der Wertschöpfungskette

Wertschöpfungskette von Geberit - Step 2 (Grafik)

Durchschnittliche Betriebszugehörigkeit

12,8
Jahre

Teilnahme an der Mitarbeitendenumfrage

82 %

Auszubildende

287
in insgesamt 21 Berufen

Eigene Mitarbeitende: Einführung

Definition und Wesentlichkeit

Geberit misst den eigenen Mitarbeitenden eine zentrale Bedeutung für den langfristigen Unternehmenserfolg bei. Attraktive Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten sowie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz tragen wesentlich zur Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Mitarbeitenden bei.

Die eigene Belegschaft umfasst dabei sowohl direkt angestellte Mitarbeitende als auch Personen, die regelmässig Tätigkeiten für Geberit verrichten. Zu den direkt angestellten Mitarbeitenden zählen alle Beschäftigten mit einem Anstellungsvertrag bei Geberit, einschliesslich temporär angestellter Mitarbeitender, Praktikantinnen und Praktikanten sowie Lernender.

Im Prozess der doppelten Wesentlichkeitsanalyse wurden materielle Auswirkungen, Risiken und Chancen identifiziert, die anschliessend den Unterthemen «Arbeitsbedingungen», «Aus- und Weiterbildung» sowie «Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz» zugeordnet wurden. Ihre detaillierte Betrachtung findet sich im jeweiligen Unterkapitel.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Die Verantwortung für den Themenbereich «Eigene Mitarbeitende» liegt auf oberster Führungsebene:

  • Der Verwaltungsrat trägt die strategische Gesamtverantwortung, verabschiedet relevante Richtlinien und prüft mindestens einmal jährlich deren Umsetzung.

  • Die Konzernleitung ist für die operative Umsetzung verantwortlich. Sie wird dabei durch spezialisierte Fachbereiche unterstützt.

Folgende Themenfelder stehen im Verantwortungsbereich der jeweiligen Abteilungen:

  • Corporate Human Resources (Corporate HR): Fundamentale Menschen- und Arbeitnehmendenrechte, Arbeitsbedingungen, Schulung und Weiterbildung.

  • Corporate Sustainability: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in Produktion und Logistik.

Die Definition von Massnahmen und deren Umsetzung auf lokaler Ebene liegen bei den einzelnen Gesellschaften.

Systematisch werden auch die relevanten Stakeholder in strategische Prozesse einbezogen – etwa über Mitarbeitendenbefragungen oder das Geberit Europa-Forum. Zur Einbindung von Mitarbeitenden und Gewerkschaften siehe Einbindung von Stakeholdern.

Strategien und Richtlinien

Die Unternehmens- und Markenwerte sind im Geberit Kompass festgehalten. Der für alle Mitarbeitenden weltweit verbindliche Geberit Verhaltenskodex ist das zentrale Instrument, um Diskriminierung, Verstösse gegen die Menschenrechte inklusive Kinder- und Zwangsarbeit, Verletzungen der Arbeitsrechte oder Korruption vorzubeugen sowie den Schutz des geistigen Eigentums zu wahren und den Datenschutz einzuhalten. Damit bietet der Kodex eine wichtige Orientierungshilfe für ethisch einwandfreies, umweltfreundliches und sozialverträgliches Wirtschaften.

Ein effektives Compliance-System samt einem jährlichen Code-of-Conduct-Reporting stellt ethisches und gesetzeskonformes Verhalten sicher, siehe Unternehmenskultur und Kartellrecht.

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Arbeitssicherheit und Gesundheit haben bei Geberit sehr hohe Priorität. Das Unternehmen strebt ein unfallfreies Arbeitsumfeld an und hat dafür hohe Sicherheitsstandards etabliert. Geberit arbeitet länderspezifisch mit Behörden, Berufsgenossenschaften und Gewerkschaften zusammen, um Themen wie persönliche Schutzausrüstung, Arbeitsinspektionen oder Schulungen zu adressieren.

Auswirkungen, Risiken und Chancen

Arbeitsunfälle beeinträchtigen sowohl das Berufsleben als auch das private Umfeld der Betroffenen. Sie können Produktionsprozesse sowie die Produktivität des Unternehmens negativ beeinflussen und dadurch erhebliche Kosten verursachen. Hohe Sicherheitsstandards sind deswegen von grösster Bedeutung für das Unternehmen.

Im Rahmen der doppelten Wesentlichkeitsanalyse wurden ausschliesslich negative Auswirkungen identifiziert. Diese ergeben sich hauptsächlich aus körperlich belastenden Tätigkeiten wie dem Heben und Tragen schwerer Lasten, Arbeiten in grosser Höhe und in lärmintensiver Umgebung, dem unsachgemässen Umgang mit heissen Oberflächen und Gefahrstoffen sowie aus der Belastung durch Silikastaub in den Keramikwerken. Diese Einschätzung wurde durch die Befragung interner und externer Stakeholder bestätigt.

Nachfolgend sind die identifizierten wesentlichen Auswirkungen aufgeführt:

Eigene Mitarbeitende: Arbeitssicherheit und Gesundheit

 

 

 

 

Zeithorizont

 

Wertschöpfungskette

Beschreibung der IRO

 

Art

 

kurz

 

mittel

 

lang

 

vorge-lagert

 

eigener Bereich

 

nachge-lagert

Das Heben und Tragen von schweren Lasten, das Arbeiten in der Höhe und in lauter Umgebung sowie der Umgang mit heissen Oberflächen und Gefahrstoffen können die Gesundheit der Mitarbeitenden gefährden.

 

Negative Auswirkung, tatsächlich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch Silikastaub in den Keramikwerken kann es zu Gesundheitsschäden kommen.

 

Negative Auswirkung, potenziell

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unfälle beeinträchtigen nicht nur das Berufsleben der Betroffenen, sondern betreffen ebenso deren persönliches und privates Umfeld.

 

Negative Auswirkung, potenziell

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die identifizierten Auswirkungen sind von menschenrechtsbezogener Relevanz. Das Thema «Menschenrechte» im Unternehmen wird ausführlich im Kapitel Unternehmenskultur und Kartellrecht behandelt.

Managementsystem

Die Verantwortung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf Gruppenebene liegt bei der Abteilung Corporate Sustainability, die direkt dem CEO unterstellt ist. Die Umsetzung der Massnahmen und die Definition und Realisierung zusätzlicher Massnahmen auf lokaler Ebene liegen bei den jeweiligen Gesellschaften.

Die Produktionswerke und die zentrale Logistik verfügen über Sicherheitsfachkräfte, in Rapperswil-Jona (CH) und Pfullendorf (DE) zusätzlich über Gesundheitsmanager. Ein konzernweites Safety-Team entwickelt das Thema «Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz» kontinuierlich weiter und fördert den Austausch von Best-Practices.

Das Unternehmen hat klare Ziele definiert. Der Zielwert für die Unfallhäufigkeit AFR (Accident Frequency Rate) liegt bei maximal 5,5 Arbeitsunfällen (mit Ausfallzeit von einem Tag oder mehr) pro Million Arbeitsstunden. Die Unfallschwere ASR (Accident Severity Rate) soll unter den Wert von 90 Ausfalltagen pro Million Arbeitsstunden reduziert werden.

Die Ziele werden von der Konzernleitung festgelegt und regelmässig überprüft (monatlich und jährlich auf Standortebene, vierteljährlich und jährlich auf Konzernebene). Darüber hinaus sind die Leistungsberichte für jeden Standort digital verfügbar und werden an die Konzernleitung berichtet. Sie sind Teil der Jahresbeurteilung der lokalen Führungsverantwortlichen in Produktionswerken und Logistikstandorten.

Strategien und Richtlinien

Als wichtige Steuerungsinstrumente dienen zwei konzernweite Richtlinien: das Geberit Sicherheitssystem (GSS) sowie der Geberit Verhaltenskodex.

Geberit Sicherheitssystem (GSS)

Das Geberit Sicherheitssystem (GSS) bildet den konzernweiten Rahmen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Ziel des Systems ist es, arbeitsbedingte Risiken systematisch zu identifizieren, zu beurteilen und durch präventive sowie korrektive Massnahmen kontinuierlich zu reduzieren. Das GSS umfasst u. a. regelmässige Risikobeurteilungen von Arbeitsplätzen und Tätigkeiten, systematische Unfalluntersuchungen, Massnahmen zur Prävention von Berufskrankheiten sowie Schulungen zur Sensibilisierung und Einbindung der Mitarbeitenden. Darüber hinaus stellt das System die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und interner Standards sicher.

Das GSS gilt für alle Mitarbeitenden in den Produktionswerken und Logistikstandorten. Es adressiert die im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse identifizierten wesentlichen arbeitsbedingten negativen Auswirkungen, beispielsweise im Zusammenhang mit körperlich belastenden Tätigkeiten, Arbeiten in der Höhe und der Exposition gegenüber Silikastaub in den Keramikwerken. Das GSS ist in seinen Inhalten auf die Anforderungen der internationalen Norm ISO 45001:2018 für Arbeitsschutzmanagementsysteme abgestimmt.

Verhaltenskodex für Mitarbeitende

Der Geberit Verhaltenskodex legt verbindlich fest, dass Gesundheit, Arbeitssicherheit und Unfallprävention konzernweit konsequent sichergestellt werden. Er bildet eine zentrale Grundlage für die Einhaltung interner Standards sowie gesetzlicher und regulatorischer Anforderungen. Die daraus abgeleiteten Massnahmen umfassen regelmässige Schulungen, systematische Risikobeurteilungen, Massnahmen zur Reduktion oder Beseitigung von Gefährdungen, die Analyse von Unfällen, die Überprüfung der Einhaltung rechtlicher und interner Vorschriften sowie der Wirksamkeit der ergriffenen Massnahmen. Der Verhaltenskodex gilt für alle Mitarbeitenden. Weitere Informationen siehe Unternehmenskultur und Kartellrecht.

Prozesse, Massnahmen und Kontrollen

Die Umsetzung der Strategien und Richtlinien wird durch klar definierte Prozesse, umfassende Schulungsmassnahmen sowie wirksame Beschwerde- und Kontrollmechanismen gesteuert.

Bestehende Prozesse stellen sicher, dass von Unfällen betroffene Mitarbeitende angemessene Unterstützung wie Erste Hilfe, medizinische Versorgung oder Entschädigungen erhalten. Alle Vorfälle werden intern untersucht und führen sofern nötig und sinnvoll zu Korrekturmassnahmen; dazu gehören Prozessanpassungen, technische Verbesserungen oder gezielte Schulungen. Bei Auswirkungen auf externe Parteien wie Leiharbeitskräfte, Auftragnehmer oder Dienstleister arbeitet Geberit mit deren Arbeitgebern und relevanten Institutionen zusammen, um wirksame Abhilfe sicherzustellen.

Mitarbeitendenmitsprache

91% der Geberit Mitarbeitenden werden durch Arbeitsschutzausschüsse oder Sicherheitskomitees vertreten, in denen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter gemeinsam an Arbeitsschutzthemen arbeiten. Diese von der Geschäftsleitung eingesetzten Gremien binden alle Organisationsebenen sowie Spezialfunktionen wie ärztliches Fachpersonal, Betriebsrat und Arbeitssicherheitsfachkräfte ein.

Mitarbeitende sind in Risikobeurteilungen, Sicherheitsaudits, Unfalluntersuchungen, Umfragen und den kontinuierlichen Verbesserungsprozess aktiv eingebunden. In vielen Ländern gewährleisten formelle Vereinbarungen, dass Mitarbeitendenvertretungen bei Arbeitsschutzfragen konsultiert werden. Das Geberit Europa-Forum bietet zusätzlich eine Plattform für den länderübergreifenden Austausch. Zur Einbindung von Mitarbeitenden, ihren Vertretungen und Gewerkschaften siehe Einbindung von Stakeholdern.

Arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogene Risikobeurteilungen

Risikobeurteilungen bei Geberit folgen entweder einer von der Gruppe vorgegebenen oder einer vergleichbaren Methode und Bewertungsmatrix, abgestimmt auf gesetzliche Vorgaben und die Anforderungen der ISO-Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme (ISO 45001:2018). Ziel ist es, Gefährdungen systematisch zu erkennen, zu bewerten und zu minimieren.

Unfallmanagementsystem

Alle Unfälle werden gemeldet, unabhängig von Schwere oder Anstellungsverhältnis. Die Produktionswerke und die zentrale Logistik nutzen eine softwarebasierte Lösung zur Erfassung und Auswertung von Unfällen. Bei Unfällen mit mindestens einem Arbeitstag Ausfallzeit erfolgt eine standardisierte Untersuchung. Bei Unfällen mit schweren Verletzungen werden die Erkenntnisse aus der Untersuchung konzernweit geteilt. Im Berichtsjahr wurde die Methode zur Unfalluntersuchung vollständig überarbeitet; die neue Methode wird ab 2026 eingesetzt.

Schulungen zu Arbeitssicherheit und Gesundheit

Regelmässige Schulungen sind ein zentraler Bestandteil der Präventionsarbeit im Unternehmen. Neue Mitarbeitende werden in Willkommensveranstaltungen über lokale Arbeitsschutzbestimmungen informiert, gefolgt von arbeitsplatzspezifischen Instruktionen durch ihre Vorgesetzten an Produktions- und Logistikstandorten.

Da nach wie vor ein Grossteil der Arbeitsunfälle und Ausfallzeiten auf Unachtsamkeit zurückzuführen ist, legt das Unternehmen besonderen Wert auf nachhaltige Schulung und Sensibilisierung. Dazu gehören E-Learning-Programme sowie lokale Schulungen und Instruktionen, die Mitarbeitende dabei unterstützen, Gefahrenstellen am Arbeitsplatz frühzeitig zu erkennen und konsequent zu beheben.

Gesundheitsförderung und ergonomische Verbesserungen

Geberit fördert konzernweit die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden durch vielfältige Programme zur Gesundheitsvorsorge, darunter Angebote zu Bewegung, mentaler Fitness, Gestaltung des Arbeitsumfelds oder Sportmöglichkeiten.

Ein besonderer Fokus liegt auf der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze. Ergonomische Verbesserungen werden im Rahmen der laufenden Optimierung und Modernisierung von Prozessen und Anlagen umgesetzt – etwa durch die Anschaffung zusätzlicher Hebehilfen, insbesondere in den keramischen Werken, sowie durch den Einsatz von Anti-Ermüdungsmatten und Hebevorrichtungen für Formen. Darüber hinaus wurde die tätigkeitsbezogene Risikobeurteilung zur manuellen Handhabung von Lasten in mehreren Werken methodisch überarbeitet, um ergonomische Belastungen gezielter zu erfassen und spezifische Verbesserungsmassnahmen abzuleiten.

Zusätzlich werden Führungskräfte im gesundheitsbewussten Führen geschult. Dieses zielt darauf ab, die Vorbildfunktion in Bezug auf gesundes Verhalten wahrzunehmen und die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zu fördern, etwa durch einen achtsamen Umgang mit Belastungen und Stress oder die Förderung ergonomischer Arbeitsplätze.

Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen

Rund 50% der Mitarbeitenden in der Keramikherstellung sind regelmässig erhöhter Quarzfeinstaubbelastung ausgesetzt. Zum Schutz der Gesundheit sind technische, organisatorische und persönliche Massnahmen implementiert, darunter definierte Mindeststandards für Schutzausrüstung und Hygiene. Geberit arbeitet konsequent daran, die Exposition zu vermeiden oder so weit wie möglich zu minimieren – etwa durch den Einsatz von Glasierrobotern, automatisierte Silobefüllung für mikronisiertes Siliziumdioxid sowie Niederdruck- und Absaugeinrichtungen.

Die Mitarbeitenden erhalten arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen wie Lungenfunktionstests und Röntgenaufnahmen. Der konzernweit festgelegte Grenzwert von 0,05 mg/m3 für den alveolengängigen Anteil von Quarzfeinstaub wird bei den meisten betroffenen Produktionsprozessen eingehalten und liegt in mehreren Keramikwerken sogar unter den weniger strengen, nationalen gesetzlichen Vorgaben. Höhere Konzentrationen in der Arbeitsplatzluft werden insbesondere in den Bereichen Schlicker- und Glasurvorbereitung, Giessen, Rohsortierung und Glasieren festgestellt. An Arbeitsplätzen, an denen Grenzwerte überschritten werden, kommen persönliche Schutzausrüstung (PSA) und Massnahmen zur Gesundheitsüberwachung zum Einsatz. Darüber hinaus bilden regelmässige Messungen und ein Massnahmenplan die Grundlage für lokale Korrekturen und eine kontinuierliche Reduktion der Staubbelastung. Dieses Thema ist integraler Bestandteil des Geberit Sicherheitssystems (GSS).

Die Gruppe beteiligt sich zudem als Mitglied des Branchenverbands European Sanitaryware Producers Federation (FECS) am European-Network-on-Silica- (NEPSI-)Programm der Cerame-Unie zur Kontrolle der Quarzfeinstaubexposition und Umsetzung von Best-Practices. Länderspezifisch arbeitet das Unternehmen mit Behörden, Berufsgenossenschaften und Gewerkschaften zu Themen wie Schutzausrüstung oder Arbeitsinspektionen zusammen.

Substitution Gefahrstoffe

Geberit verfolgt das Ziel, den Einsatz gesundheits- und umweltgefährdender Stoffe zu reduzieren. Wo immer möglich werden Gefahrstoffe durch weniger kritische Alternativen ersetzt. Die Substitution erfolgt auf Basis technischer Machbarkeit, gesetzlicher Anforderungen und gesundheitlicher Bewertung.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf Stoffen mit potenziell krebserregender, erbgutverändernder oder reproduktionstoxischer Wirkung (CMR-Stoffe). In enger Zusammenarbeit mit Lieferanten und internen Fachbereichen werden Prozesse und Materialien kontinuierlich überprüft und angepasst. Die Substitution ist integraler Bestandteil des Geberit Gefahrstoffmanagements und wird durch Schulungen, technische Prüfungen und Freigabeprozesse begleitet. Im Berichtsjahr hat sich die Menge der eingekauften Gefahrstoffe (in Tonnen) um 0,6% reduziert.

Arbeitsmedizinische Dienste

Geberit ergreift vielfältige Massnahmen, um Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz zu vermeiden oder zu minimieren. An allen Produktionsstandorten ist der Zugang zu einer Betriebsärztin oder einem Betriebsarzt sichergestellt, die entweder direkt vor Ort tätig sind oder bei Bedarf extern beigezogen werden. Je nach Risikoklassifizierung der Tätigkeiten werden präventive Massnahmen umgesetzt, beispielsweise regelmässige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen in den Keramikwerken. Zudem liegt ein Fokus auf der Reduktion der Lärmbelastung und Verbesserung der Ergonomie.

Feedback- und Beschwerdekanäle

Die Produktionsstandorte nutzen verschiedene Meldesysteme wie Vorschlagsboxen, digitale Tools, Feedback-Sitzungen und Town-Hall-Meetings, über die Mitarbeitende Beschwerden oder Verbesserungsvorschläge zu Arbeitssicherheit und Gesundheit einreichen können.

Alle eingehenden Meldungen werden erfasst, kategorisiert, nachverfolgt und mit klaren Verantwortlichkeiten bearbeitet. Eingaben aus Beschwerdekanälen, Risikobeurteilungen, Sicherheitsaudits oder Mitarbeitendenfeedbacks im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses werden systematisch dokumentiert und priorisiert. Zusätzlich steht allen Mitarbeitenden die Geberit Integrity Line als anonymer Hinweisgeberkanal zur Verfügung.

Interne und externe Kontrollen und Audits

Die Einhaltung des Geberit Sicherheitssystems (GSS) wird regelmässig durch interne und externe Audits überprüft. Werksübergreifende Occupational Health and Safety (OHS) Audits werden von der Gruppe organisiert und durchgeführt. Im Berichtsjahr wurde ergänzend zum OHS-Audit-Programm das Konzept Safety Culture Review entwickelt, um die Standorte ganzheitlich zu auditieren – sowohl hinsichtlich des bestehenden Sicherheitsmanagementsystems als auch in Bezug auf die gelebte Sicherheitskultur. Das neue Audit-Programm trägt den Namen «Safety 360 Program»; das erste Pilotaudit wurde 2025 gestartet, weitere sind für 2026 geplant. Zusätzlich werden an den Standorten Sicherheitsrundgänge und ‑inspektionen durch die lokalen Führungsverantwortlichen und Sicherheitsfachkräfte durchgeführt.

Des Weiteren sind alle Produktionswerke und das Logistikzentrum in Pfullendorf (DE) nach der Norm ISO 45001 (Arbeitssicherheit und Gesundheit) zertifiziert. Im Rahmen der Gruppenzertifizierung findet alle drei Jahre ein externes ISO-Audit an jedem Standort statt. Zusätzlich werden regelmässig interne ISO-Audits durchgeführt – entweder lokal durch die Werke selbst oder werksübergreifend.

Massnahmen und Kennzahlen im Berichtsjahr

Unfälle und Ausfälle

In der Statistik werden nur diejenigen Arbeitsunfälle von Mitarbeitenden, Lernenden und Temporärarbeitskräften ausgewiesen, die während der Arbeitszeit oder auf einer Dienstreise geschehen sind und zu Ausfallzeiten von einem Arbeitstag oder mehr geführt haben.

Im Berichtsjahr wurden 150 Unfälle (Vorjahr 111) und 2 556 arbeitsunfallbedingte Ausfalltage (Vorjahr 2 275) verzeichnet. Es gab zwei schwere Unfälle und keine Unfälle mit Todesfolge.

Am häufigsten traten Schnitt- und Stichwunden auf, gefolgt von Prellungen. Betroffen waren vor allem Hände und Finger, gefolgt von Füssen und dem Kopf. Die Unfallhäufigkeit stieg damit auf einen Wert von 8,0 (Vorjahr 6,0). Die Unfallschwere nahm im selben Zeitraum auf 136,5 (Vorjahr 123,4) zu.

Zudem betrug die gruppenweite Ausfallquote durch Unfälle und krankheitsbedingte Abwesenheiten bezogen auf die Sollarbeitszeit 5,0% (Vorjahr 5,2%). Davon waren 98,3% krankheitsbedingt (Vorjahr 98,4%).

Unfälle und Ausfälle

 

 

 

 

 

 

Abweichung

 

 

2025

 

2024

 

%

Anzahl Arbeitsunfälle1

 

150

 

111

 

35,1

Unfallhäufigkeit (AFR)2

 

8,0

 

6,0

 

33,3

Anzahl unfallbedingter Ausfalltage

 

2 556

 

2 275

 

12,4

Unfallschwere (ASR)3

 

136,5

 

123,4

 

10,6

1

Arbeitsunfälle mit Ausfallzeit von einem Arbeitstag oder mehr

2

Anzahl Arbeitsunfälle mit Ausfallzeit von einem Arbeitstag oder mehr pro Million Arbeitsstunden (AFR: Accident Frequency Rate)

3

Anzahl Ausfalltage pro Million Arbeitsstunden (ASR: Accident Severity Rate)

Der Anstieg der Unfallhäufigkeitsrate (AFR) und der Unfallschwere (ASR) im Berichtsjahr steht im Zusammenhang mit dem erhöhten Produktionsvolumen. In diesem Kontext erhöhte insbesondere die Integration neuer Mitarbeitenden mit noch begrenzter Erfahrung im Umgang mit standortspezifischen Gefährdungen das Unfallrisiko. Im Langzeitvergleich sanken beide Werte, wie die untere Abbildung zeigt:

Unfallhäufigkeit (AFR) und Unfallschwere (ASR) im Langzeitvergleich

0 160000 240000 320000 400000 0 2 4 6 10 12 8 220 200 180 160 140 0 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 20 100 120 40 60 80 Unfallschwere (ASR) Unfallhäufigkeit (AFR) Unfallhäufigkeit (AFR) – 2015 bis 2025 Unfallschwere (ASR) – 2015 bis 2025
AFR: Arbeitsunfälle mit Abwesenheit ≥ 1 Arbeitstag pro Mio. Arbeitsstunden
ASR: Ausfalltage pro Mio. Arbeitsstunden

Schulungen

Das E-Learning-Programm «Arbeitssicherheit» sensibilisiert die Mitarbeitenden auf Gefährdungen am Arbeitsplatz und vermittelt den richtigen Umgang mit persönlicher Schutzausrüstung. Bis 2025 wurde das Programm in insgesamt 14 Produktionswerken eingeführt. Die Standorte führen ihre lokalen Schulungsmassnahmen fort. Zudem wird die Kombination aus digitalen und standortspezifischen Formaten weiterhin unterstützt, um sicherheitsbewusstes Verhalten nachhaltig im Arbeitsalltag zu verankern.

Definitionen und Berechnungsgrundlagen

Geberit stützt sich auf Primärdaten aus den konzerninternen Datenerfassungssystemen.

  • Unfallhäufigkeit (Accident Frequency Rate, AFR): Arbeitsunfälle mit Ausfallzeit von einem Arbeitstag oder mehr pro Mio. Arbeitsstunden. Geltungsbereich: konzernweit

  • Unfallschwere (Accident Severity Rate, ASR): Ausfalltage pro Mio. Arbeitsstunden. Geltungsbereich: konzernweit

  • Arbeitsunfallbedingte Ausfalltage: Summe aller Ausfalltage durch Arbeitsunfälle. Geltungsbereich: konzernweit

  • Ausfallquote gesamt: Ausfallquote (Unfall + Krankheit) bezogen auf Sollarbeitszeit. Geltungsbereich: konzernweit

  • Ausfallquote krankheitsbedingt: Anteil krankheitsbedingter Ausfälle. Geltungsbereich: konzernweit

  • Schwere Unfälle: Unfälle mit schwerwiegenden Verletzungen wie Schädelbrüchen, Amputationen mit Knochenverlust, mit bleibender Einschränkung/Behinderung. Geltungsbereich: konzernweit

  • Programme Gesundheitsvorsorge: Anteil Mitarbeitende mit Zugang zu Gesundheitsprogrammen. Geltungsbereich: konzernweit

  • Mitarbeitende durch Arbeitsschutzausschüsse/Sicherheitskomitees vertreten: Anteil Mitarbeitende in Ausschüssen. Geltungsbereich: konzernweit