Umwelt
Nachhaltigkeit ist ein integrierter Bestandteil des Geschäftsmodells von Geberit. Bereits 1990 wurde die erste Umweltstrategie vorgelegt. Seither wurde das Thema konsequent weiterentwickelt und um soziale sowie geschäftsethische Schwerpunkte erweitert. Die Nachhaltigkeitsstrategie ist heute fest in der Unternehmensstrategie verankert.
Grundlage für die Nachhaltigkeitsstrategie der Gruppe ist die Wesentlichkeitsanalyse, die regelmässig aktualisiert wird. 2024 wurde diese erstmals gemäss den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) als sogenannte «doppelte» Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt und im Berichtsjahr aktualisiert. Die darauf basierende, aufdatierte Nachhaltigkeitsstrategie reflektiert die Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse, des internen Risikoanalyseprozesses sowie externe Anforderungen aus der Wertschöpfungskette, nationale Regulatorien und globale Rahmenwerke. Sie übersetzt die Erkenntnisse in operative Prozesse und bildet so die Klammer um Wirtschaftlichkeit, Umweltverantwortung und soziale Wirkung.
Energie und Treibhausgasemissionen
Als Schweizer Unternehmen ist Geberit dem im revidierten CO2-Gesetz der Schweiz anvisierten Netto-Null-Ziel für 2050 und der dazugehörigen Schweizer Klimastrategie verpflichtet. Kernelement des Geberit Klima-Transitionsplans ist die umfassende, bereits im Jahr 2022 eingeführte CO2-Strategie, die in die relevanten Geschäftsprozesse integriert ist. Sie zielt auf eine durchschnittliche jährliche Reduktion der CO2-Intensität um 5% (unter CO2-Intensität sind die Scope-1- und Scope-2-Treibhausgasemissionen im Verhältnis zum währungsbereinigten Nettoumsatz zu verstehen [= relative CO2-Emissionen]).
Die CO2-Strategie basiert auf sechs Elementen, die zur langfristigen Reduktion der CO2-Emissionen führen. Ein zentrales Steuerungsinstrument ist dabei der 2022 eingeführte CO2-Referenzpreis, der sich am Preis des europäischen CO2-Handelssystems (Emissions Trading System, ETS) orientiert. Für das Jahr 2025 wurde er auf EUR 80 pro Tonne festgelegt. Dieser Referenzpreis verkörpert die Kosten für die Einsparung einer Tonne CO2. Projektbezogen in die Wirtschaftlichkeitsrechnung integriert, dient er als Entscheidungsgrundlage für Investitionen in energie- beziehungsweise CO2-reduzierende Massnahmen im Bereich Operations und Liegenschaften. Mit dem CO2-Referenzpreis wird die Verantwortung für die Reduktion des CO2-Fussabdrucks breit im Unternehmen abgestützt. Das jährliche CO2-Intensitätsreduktionsziel ist zudem bonusrelevant und in die variable Vergütung des Gruppenmanagements (220 Personen) sowie von weiteren 1 300 Mitarbeitenden mit einer Gewichtung von 20% integriert. Alle strategischen Hebel der CO2-Strategie samt wichtigsten Prozessen und Massnahmen sind in der folgenden Übersicht abgebildet:
Transparenz
Die jährliche Treibhausgasbilanzierung (Scope 1 bis 3) umfasst alle Produktionswerke, das Logistikzentrum Pfullendorf sowie grössere Vertriebsgesellschaften. Seit 2012 wird der CO2-Fussabdruck entlang der Wertschöpfungskette berechnet. Seit der Überarbeitung der CO2-Strategie im Jahr 2022 sind Kennzahlen zu Scope 1 und 2 in die monatlichen Reporting- und Forecasting-Prozesse integriert und es erfolgt eine externe beschränkte Prüfung «limited assurance». Im Berichtsjahr wurde die Methode zur Berechnung der Treibhausgasemissionen (Scope 1 bis 3) überarbeitet und aktualisiert. Erstmals wurden alle relevanten Scope-3-Kategorien vollständig und in Übereinstimmung mit den Anforderungen des Treibhausgas-Protokolls berechnet.
Verantwortung
Seit 2022 ist die jährliche Reduktion der CO2-Intensität eines von fünf gleichgewichteten Kriterien für den Gruppenbonus. Damit ist die Zielerreichung für das Management und die Schweizer Mitarbeitenden mit 20% vergütungsrelevant.
CO2-Pricing
Vgl. Ausführungen zum CO2-Referenzpreis.
Energie
Massnahmen zur Energieeinsparung, Effizienzsteigerung, Wärmerückgewinnung und zum Ausbau erneuerbarer Energien werden über einen Energie-Masterplan und rollierende CO2-Forecasts gesteuert. Optionen sind Einkauf von Ökostrom mit Herkunftsnachweis, langfristige Stromkaufvereinbarungen und Photovoltaikanlagen.
Strukturelle Reduktion
Im Keramikbereich (rund zwei Drittel der Scope-1- und Scope-2-Emissionen) liegt der Fokus auf Ausschussreduktion, Brennprozessoptimierung und Abwärmenutzung. Langfristig werden alternative Energieträger wie Biogas oder grüner Wasserstoff geprüft. Zur Reduktion von Scope-3-Emissionen werden seit 2007 Produkte in Ecodesign-Workshops optimiert: weniger Material, höhere Reparierbarkeit, mehr Recyclinganteil, geringerer CO2-Fussabdruck, optimierte Verpackungen und Transportwege. Lieferanten müssen Umwelt- und Sozialstandards einhalten; Materialien mit niedrigen Emissionen werden zunehmend berücksichtigt.
Als sechstes Element der CO2-Strategie ist optional vorgesehen, jene CO2-Emissionen extern zu kompensieren oder zu beseitigen, die im Produktionsprozess nicht reduzierbar sind. Im Berichtsjahr wurden keine Emissionen kompensiert.
Die absoluten Scope-1- und Scope-2-Treibhausgasemissionen der Geberit Gruppe sanken im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr vor allem dank Effizienzsteigerungen in der Keramikproduktion um 2,4% auf 108 446 Tonnen (Vorjahr 111 158 Tonnen). Der währungsbereinigte Nettoumsatz stieg um 4,8%. Infolgedessen verbesserte sich die relativen CO2-Emissionen im Vorjahresvergleich um 6,9%. Seit der Übernahme der energieintensiven Keramikproduktion im Jahr 2015 konnten die relativen CO2-Emissionen insgesamt um 69,3% verbessert werden, was einer durchschnittlichen jährlichen Reduktion von 11,1% entspricht.
CO2-Emissionen
2015–2025
(Index: 2015 = 100)
Im Rahmen der strukturellen Reduktion werden im Keramikbereich, der zwei Drittel der gruppenweiten Scope-1- und Scope-2-Treibhausgasemissionen verursacht, die Prozesse fortlaufend optimiert. Der neue Tunnelofen in Carregado (PT), der im Herbst des Vorjahres installiert worden war, wurde 2025 erstmals über das gesamte Jahr genutzt und reduzierte den Energieverbrauch gegenüber dem Vorjahr um 22%. An den Standorten Haldensleben (DE) und Włocławek (PL) konnte der Erdgasverbrauch durch die Gewichtsreduzierung der Ofenwagen ebenfalls gesenkt werden. Die im Berichtsjahr neu in Betrieb genommene energieeffiziente Pulverbeschichtungsanlage am Standort Lichtenstein (DE) senkte den Energieverbrauch der neuen Duofix Rahmenproduktion gegenüber 2021 um 10%. Parallel wurde der Ausbau erneuerbarer Energien systematisch vorangetrieben. 2025 wurden 141,3 GWh Ökostrom mit Herkunftsnachweis bezogen, was 67% des Strombezugs ausmacht. Im Berichtsjahr wurde zusätzlich zu den bestehenden Anlagen in Pfullendorf (DE) und Matrei (AT) eine neue Photovoltaikanlage in Lichtenstein (DE) in Betrieb genommen, welche die eigene erneuerbare Stromproduktion um rund 600 MWh erhöhte. Effizienzsteigerungen erfolgten zudem durch intelligente Wärmerückgewinnung, Modernisierung von Maschinen und Beleuchtung, Einsatz hybrider Spritzgussanlagen sowie Optimierung von Druckluft- und Kühlsystemen. Der Energieverbrauch konnte seit 2015 um 30,1% reduziert werden – bei gleichzeitig gestiegenem Nettoumsatz.
Erneut wurde im Berichtsjahr die Berechnung der gruppenweiten Scope-1- und Scope-2-Treibhausgasemissionen extern überprüft. Die durch das Beratungsunternehmen Intep durchgeführte Prüfung der Treibhausgasbilanz («limited assurance») verlief erfolgreich und umfasste die Berechnung der CO2-Emissionen (Scope 1 und 2) sowie die Verifizierung der Prozesse, auf denen diese Berechnung basiert. Zur Anwendung kamen dabei die Standards des WRI/WBCSD Greenhouse Gas Protocol und ISO 14064-1 (vgl. dazu Prüfbericht Treibhausgasbilanz).
Wasser sparen
Ein Kernelement der Geberit Nachhaltigkeitsstrategie ist der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen. Dies gilt ganz besonders für die Ressource Wasser. Ein wichtiger Hebel und Beitrag des Unternehmens zur ökologischen Nachhaltigkeit liegt im effizienten Umgang mit Wasser – in der eigenen Produktion, vor allem aber in der Nutzungsphase der Produkte.
Nahezu 100% der Wasserentnahme entfallen bei Geberit auf die Nutzungsphase der Produkte, also auf die nachgelagerte Wertschöpfungskette. Dabei fällt insbesondere der Wasserbedarf der WC-Systeme ins Gewicht: Laut Schätzungen der deutschen und schweizerischen Sanitärfachverbände entfällt rund ein Drittel des Haushaltwasserbedarfs auf WC-Spülungen. Geberit setzt konsequent auf die Entwicklung und Verbreitung wassersparender Produkte, um den Wasserverbrauch in Gebäuden zu senken. Dazu zählen insbesondere die optimierte TurboFlush Spültechnik, die in einer zunehmenden Anzahl von Geberit WC-Modellen eingesetzt wird, die Spülventile Typ 208 und 212 sowie wassersparende Armaturen und Urinale. Auf Basis von Verkaufszahlen ergibt sich für das Berichtsjahr ein Einsparpotenzial von bis zu 163 Millionen m3 Wasser gegenüber herkömmlichen 9-Liter-Einmengen-Spülkästen. Grundlage für diese Modellrechnung ist die Annahme, dass im Rahmen einer Renovation ein 9-Liter-Spülkasten durch ein wassersparendes Geberit System ersetzt wird.
Die Wasserentnahme in der Produktion stieg im Berichtsjahr auf 915 442 m3 (Vorjahr 880 759 m3). Der Anstieg steht im Zusammenhang mit temporären Massnahmen in der technischen Infrastruktur eines Produktionswerks. Der grösste Anteil der internen Wasserentnahme entfällt mit rund 80% auf die Keramikproduktion. Verglichen mit dem Referenzjahr 2015 sank die Wasserentnahme um 22%.
Ressourcen im Kreislauf halten mit dem Fokus auf Langlebigkeit
Der verantwortungsvolle Umgang mit Materialien und der Beitrag zur Kreislaufwirtschaft sind für Geberit zentral.
Mit ihrer hohen Qualität und Robustheit sind Geberit Produkte auf eine lange Nutzung ausgelegt. Ihre Lebensdauer übersteigt nicht selten 50 Jahre, beispielsweise bei Abwasserrohren aus Kunststoff. Für Keramiken ausgewählter Serien gilt eine lebenslange Garantie. Die Qualität und Langlebigkeit der Produkte wird durch eine langfristige Ersatzteilverfügbarkeit unterstützt, die für Unterputzspülkästen und ihre mechanischen Komponenten 50 Jahre und für einen weiteren bedeutenden Teil des Sortiments 25 Jahre beträgt. Ebenfalls sind neu entwickelte Produkte und Komponenten weitgehend rückwärtskompatibel. Die Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Rückwärtskompatibilität der Produkte sind ein wesentlicher Beitrag von Geberit zur Kreislaufwirtschaft und Minimierung des Ressourceneinsatzes.
Das Unternehmen folgt zudem systematisch dem Prinzip «Vermeiden → Wiederverwenden → Rezyklieren → Anderweitig verwenden → Beseitigen».
Eine besondere Bedeutung kommt der Abfallreduktion zu. Der grösste Hebel liegt dabei in der Produktion. Im Berichtsjahr wurden 393 832 Tonnen (Vorjahr 391 985 Tonnen) Materialien verarbeitet, hauptsächlich mineralische Rohstoffe, Metalle und Kunststoffe sowie Verpackungsmaterial. Die Abfallmenge betrug 59 970 Tonnen (Vorjahr 61 789 Tonnen), wovon 78% rezykliert, 20% deponiert und 2% energetisch verwertet wurden. Seit dem Referenzjahr 2015 konnte die Abfallmenge in der Produktion insgesamt um 28% reduziert werden.
Produktnachhaltigkeit und nachhaltiges Bauen
Die Produktnachhaltigkeit ist bei Geberit konsequent in die Entwicklung, Materialwahl und Nutzungsphase der Produkte integriert. Zentrales Prinzip ist die seit 2007 angewendete Ecodesign-Methode, die den gesamten Lebenszyklus eines Produkts – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung – abdeckt. Jedes neue Produkt soll in seiner Nachhaltigkeitsleistung besser sein als sein Vorgänger. Im Berichtsjahr wurden neun Ecodesign-Workshops durchgeführt. Aktuelle Beispiele sind die Einführung des neuen Duofix WC-Elements mit einem rund 10% geringeren CO2-Fussabdruck, die Einführung der wassersparenden TurboFlush Technik in weiteren WC-Keramikmodellen oder die Einführung des Füllventils Typ 383 mit 10% ABS-Regranulat. Die erfolgreiche SuperTube Technologie, die eine materialsparende Lösung für eine effiziente Entwässerung von Hochhäusern bietet, ist neu auch als hochschalldämmende Variante Silent-db20 SuperTube erhältlich.
Seit 2012 werden Umweltproduktdeklarationen (EPD) gemäss der Europäischen Norm EN 15804 erstellt. EPDs stellen relevante, vergleichbare und verifizierte quantitative Informationen über die ökologischen Auswirkungen eines Produkts transparent dar. Im Berichtsjahr wurden für die Produktgruppen wandhängende WC-Sets, Duofix WC-Elemente und Mapress Systemrohre insgesamt sechs neue EPDs erstellt. Damit sind im Berichtsjahr 44% des Konzernumsatzes durch Produkte mit EPD abgedeckt (Vorjahr 42%). Diese Daten unterstützen Planende und Bauherren u. a. bei LEED-, DGNB- und BREEAM-Zertifizierungen sowie der Berechnung von Gebäudeökobilanzen.
Umweltmanagement und Compliance
Die Geberit Gruppe steuert ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsleistung mit einem integrierten Managementsystem, das Qualität, Umwelt, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz umfasst. Dieses System bildet den Rahmen für die kontinuierliche Verbesserung der Performance in allen Werken und Funktionen. Sämtliche Produktionsstandorte, das Logistikzentrum in Pfullendorf (DE) und der Hauptsitz in Rapperswil-Jona (CH) sind nach ISO 9001, 14001 und 45001 zertifiziert, fünf deutsche und drei polnische Werke zusätzlich nach ISO 50001 (Energie). Ergänzt wird das System durch ein gruppenweites Risikomanagement und regelmässige interne sowie externe Audits.
Die Nachhaltigkeitsleistung wird jährlich gemäss den GRI-Standards (GRI 2021) sowie nach Art. 964a ff. OR-Inhaltsindex und den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) zur Klimaberichterstattung sowie gemäss den Empfehlungen des Sustainability Accounting Standards Board (SASB-Index) offengelegt. Zusätzlich wird die Berichterstattung an die European Sustainability Reporting Standards (ESRS-Index) angepasst. Der jährliche Nachhaltigkeitsbericht zeigt, wie Geberit zur UN-Agenda 2030 und zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG-Index) beiträgt. Als Mitglied des UN Global Compact veröffentlicht Geberit den jährlichen Fortschrittsnachweis zu internationalen Prinzipien für Umwelt- und Sozialverantwortung.
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Geberit verfügt seit 2004 über eine umfassende Berichterstattung im Bereich Nachhaltigkeit; seit 2006 berichtet das Unternehmen gemäss GRI-Standards, was sich unter anderem in sehr guten Nachhaltigkeitsratings niederschlägt.
Über das Carbon Disclosure Project (CDP) werden jährlich detaillierte Daten zu CO2-Emissionen, Klimarisiken und Wasserverbrauch offengelegt. Ebenso bestätigt das Sustainalytics ESG Risk Rating die starke ESG-Positionierung: Mit 15,3 Punkten («Low Risk») zählt Geberit branchenweit zu den besten 3% der Unternehmen (Rang 4 von 139 im Sektor «Building Products»).
Diese unabhängigen Beurteilungen durch verschiedene Ratings unterstreicht die Verankerung von Nachhaltigkeit in Strategie, Governance und Produktentwicklung und erhöht die Vergleichbarkeit für institutionelle Investoren.